Wer unter einer Depression leidet, hört häufig gut gemeinte Ratschläge wie: „Geh doch einfach joggen.“ Für Betroffene können solche Aussagen frustrierend sein. Denn eine Depression ist keine Frage mangelnder Motivation oder Disziplin. Schon das Aufstehen am Morgen kann sich wie eine große Herausforderung anfühlen. Dennoch zeigt die wissenschaftliche Forschung, dass regelmäßige Bewegung – insbesondere Ausdauersport wie Laufen – einen positiven Einfluss auf depressive Beschwerden haben kann. Wichtig ist jedoch: Laufen ist kein Ersatz für eine Psychotherapie oder eine medizinische Behandlung, sondern kann diese sinnvoll ergänzen. Als Verhaltenstherapeut in Graz bespreche ich mit meinen Klientinnen und Klienten häufig, wie Bewegung individuell und ohne Leistungsdruck in den Alltag integriert werden kann.
Ein typisches Merkmal einer Depression ist der Verlust von Antrieb und Energie.
Viele Betroffene berichten:
„Ich weiß, dass Bewegung guttun würde, aber ich schaffe es einfach nicht.“
„Schon der Gedanke ans Laufen überfordert mich.“
„Früher bin ich gerne joggen gegangen, heute fehlt mir jede Motivation.“
Diese Schwierigkeiten sind Teil der Erkrankung und kein Zeichen von Faulheit oder mangelndem Willen. Gerade deshalb ist es wichtig, sich nicht mit unrealistischen Erwartungen zusätzlich unter Druck zu setzen.
Regelmäßiges Laufen kann auf mehreren Ebenen positiv wirken. Bewegung beeinflusst das Gehirn
Beim Laufen werden verschiedene Botenstoffe freigesetzt, die das emotionale Wohlbefinden unterstützen können. Gleichzeitig fördert regelmäßige Bewegung Prozesse im Gehirn, die mit Lernen, Stressregulation und Stimmung zusammenhängen. Darüber hinaus berichten viele Menschen von einer besseren Schlafqualität und einer höheren körperlichen Belastbarkeit.
Depressionen führen häufig dazu, dass Betroffene sich immer weiter zurückziehen. Weniger Aktivität bedeutet jedoch oft:
weniger positive Erlebnisse,
weniger Erfolgserfahrungen,
weniger soziale Kontakte,
mehr Grübeln.
Dieser Kreislauf kann die depressive Stimmung zusätzlich verstärken.
Schon kurze Bewegungseinheiten können helfen, diesen Kreislauf Schritt für Schritt zu durchbrechen.
Viele Menschen erleben während einer Depression das Gefühl, nichts mehr zu schaffen.
Bereits kleine Ziele – beispielsweise zehn Minuten spazieren oder eine kurze Laufrunde – können wieder Erfolgserlebnisse ermöglichen. Mit jeder bewältigten Aktivität wächst häufig das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit. Genau dieser Prozess spielt auch in der Verhaltenstherapie eine wichtige Rolle.
Nein. Für die psychische Gesundheit geht es nicht darum, einen Marathon zu laufen oder persönliche Bestzeiten aufzustellen. Gerade zu Beginn gilt: Jede Bewegung zählt. Für manche Menschen bedeutet das zunächst:
zehn Minuten spazieren gehen,
langsam joggen,
eine Runde um den Häuserblock,
regelmäßig an die frische Luft gehen.
Oft entsteht Motivation erst durch das Handeln – nicht davor.
In der kognitiven Verhaltenstherapie spielt der gezielte Aufbau angenehmer und sinnvoller Aktivitäten eine wichtige Rolle. Bei einer Depression warten viele Menschen darauf, sich zunächst besser zu fühlen. In der Therapie verfolgen wir häufig den umgekehrten Weg: Durch kleine, erreichbare Aktivitäten entstehen neue Erfahrungen. Diese können langfristig dazu beitragen, dass sich Stimmung, Antrieb und Lebensqualität verbessern. Laufen ist dabei nur eine von vielen möglichen Aktivitäten. Entscheidend ist nicht die Sportart, sondern dass sie zur eigenen Lebenssituation passt und regelmäßig umgesetzt werden kann.
Wer unter einer Depression leidet, sollte sich nicht zusätzlich unter Leistungsdruck setzen.
Hilfreich sind häufig:
kleine und realistische Ziele,
feste Zeiten für Bewegung,
Geduld mit sich selbst,
Bewegung gemeinsam mit anderen,
Freude statt Perfektion.
Nicht jeder Tag wird gleich gut gelingen – und das ist völlig normal. Langfristige Veränderungen entstehen meist durch viele kleine Schritte.
So wertvoll Bewegung auch sein kann – bei einer Depression ersetzt sie keine professionelle Behandlung. Wenn die Beschwerden über längere Zeit bestehen, der Alltag stark eingeschränkt ist oder Hoffnungslosigkeit, starker Rückzug oder Suizidgedanken auftreten, sollte unbedingt professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden. Psychotherapie kann helfen, die Ursachen der Depression besser zu verstehen und gemeinsam wirksame Strategien für den Alltag zu entwickeln.
Als Verhaltenstherapeut in Graz unterstütze ich Menschen dabei, Depressionen besser zu verstehen und individuelle Wege aus der Erkrankung zu entwickeln. Gemeinsam betrachten wir, welche Faktoren die depressive Stimmung aufrechterhalten und welche Veränderungen im Alltag hilfreich sein können. Bewegung kann dabei – wenn sie zu Ihrer Situation passt – ein wertvoller Bestandteil der Behandlung sein. Ebenso wichtig sind jedoch der Umgang mit belastenden Gedanken, die Stärkung persönlicher Ressourcen und der schrittweise Aufbau eines erfüllenden Alltags. Eine Depression muss nicht dauerhaft das Leben bestimmen. Mit einer wissenschaftlich fundierten Psychotherapie und individuell passenden Strategien ist es möglich, Schritt für Schritt neue Perspektiven zu entwickeln und wieder mehr Lebensfreude zu gewinnen.
Mag. (FH) Manfred Pratter, MBA
Psychotherapeut (Verhaltenstherapie)
Sparbersbachgasse 29, 8010 Graz
Tel.: 0650/2157208
E-Mail: [email protected]
Web: www.psychotherapiepratter.at